'Anspruchslosigkeit trifft auf Anspruchslosigkeit' - Wir Buchrezensenten

26 Juli 2015

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Hallo. Heute möchte ich auf zwei Beitrage antworten und hoffe, dass die Resonanz gut aufgenommen wird. Natürlich muss ich euch erstmals informieren, von was ich spreche. In der SZ gab es vor Kurzem einen Beitrag über Sara Bow, eine Buchbloggerin und Booktuberin, die sicher einigen von euch bekannt ist und die ich selbst schon an der Frankfurter Buchmesse erlebt habe. Sie wird kritisiert - und alle anderen werden mit ihr in einen Topf geworfen. Meine Kritik geht nicht an Sara, sondern an den Verfasser eines Blogs und eines Beitrags, der das Thema aufgreift und eitel sowie fast schon ein wenig eingebildet über uns 'herzieht'. Ich wollte einiges klarstellen, und so enstand mein Kommentar mit meiner Meinung zu einigen Punkten, die Thomas Brasch angesprochen hat. Das heisst, ich nehme direkt auf seinen Beitrag Bezug. Deswegen bitte ich euch einerseits, euch hier seine Meinung und seinen von mir angesprochenen Beitrag durchzulesen und andererseits zu entschuldigen, dass der Text als direkte Antwort an ihn gerichtet ist.

Klar gibt es in dieser Szene auch einige Dinge die mich stören, und ich kann Sie deswegen teilweise auch verstehen. Andererseits möchte ich Ihnen so auch ein paar Inputs zurückgeben, da Sie einiges nicht berücksichtigt haben, wohl weil sie nicht dieser angesprochenen Altersgruppe zugehören. Ich denke, jeder brauch eine gewisse Ablenkung, nicht jeder liest ernste Bücher, schaut ernste Filme und bleibt dabei bei gesundem Menschenverstand. Jeder braucht immer wieder mal was völlig Gehaltloses, um überhaupt noch lebensfreudig zu bleiben. Und ob das jetzt eine Komödie oder ein klischeehafter Roman ist, bleibt bitteschön mir überlassen, ebenso wie meine Entscheidung, dazu eine Rezension zu verfassen oder nicht. Deswegen ist es ganz okay, wenn nicht alle Bücher Klassiker sind und manchmal einfach schlichtweg für Gute Laune sorgen und nichts weiteres. Ich persönlich schreibe das auch in meine Rezensionen, wenn ein Buch nicht den Sinn des Lebens hinterfragt oder belanglos ist - und trotzdem finde ich es vielleicht gut und mochte es. Da ist dann bitte auch nicht darüber zu urteilen, in welchem Milieu ich aufgewachsen bin, welche Umgebung und welche Erziehung mich geprägt hat.
Viele Booktuber_innen und Buchblogger_innen betreiben ihre Tätigkeit schon eine ganze Weile und haben seither nicht nur viel gelesen, sondern fast genauso viel rezensiert. Klar hat jedes Buch seine eigene Sprache und fast schon charakterlichen Eigenschaften, aber manchmal wird nach der hundertsten Rezension erst bemerkt, wie stupide das manchmal ist, wie viele Wiederholungen sich einschleichen. Klar gibt es Unterschiede im Ausdruck, aber unsere Meinung generell als anspruchslos zu bezeichnen und danach nochmals Ihre daraus ereignenden Überheblichkeit herauszustreichen, finde ich gewagt. Ich persönlich gebe mir Mühe und meine auch zu glauben, mit meinen 14 Jahren mich treffend auszudrücken zu können, aber vielleicht wird dass dann wieder als snobistisch angesehen.
Ich persönlich denke, dass wir als Jugendliche oder Junge Erwachsene, die lesen und rezensieren, eine Ausnahme der heutigen Generation sind. Weil wir uns nicht mit Social Media zukleistern und unsere Unterhaltung nicht von Wlan abhängig ist. Danach über ein Buch sinnieren und es zu reflektieren, zeichnet sich doppelt aus, meiner Meinung nach. Nicht alle machen das vielleicht auf die gleiche Weise, aber Sie werfen uns alle in einen Topf.
Übrigens finden Sie nicht nur Empfehlungen, sondern auch kritische Meinungen hinter unserem Geschriebenen. Ich denke, ich habe gerade so oft ein Buch als, um es uns einfach zu machen, als 'wirklich schlecht' bewertet wie ich Bücher als 'grandios' bewertet habe. Jedoch lese und rezensiere ich als Hobby (ein weiterer Punkt, auf den ich später noch zu Sprechen kommen möchte), und manchmal lasse ich mir zuliebe ein schlechtes Buch weg oder ein besonders Gutes, bei dem mir die Worte fehlen und ich sowieso nichts halbwegs Gescheites zu Stande bringen würde. Ich lese, weil ich gerne lese, ich lese wegen den guten Büchern und um die geht es für mich persönlich. Deswegen haben die bei mir Vortritt. Desweiteren kaufe ich mir bloss Bücher, die mich wirklich interessieren, lese einige Seiten rein und habe so kaum einen totalen Fehltritt. Natürlich kann sich ein Buch noch komplett in die andere Richtung entwickeln, dennoch kommt das natürlicherweise seltener vor, als wenn ich blindwütig zugreifen würde.
Als Business würde ich das übrigens auch nicht bezeichnen. Mir ist bewusst, dass ich mittlerweile mehr Rezensionsexemplare zugeschickt bekomme, als dass ich mir Bücher kaufe, aber das ist meiner Meinung nach auch okay so. Ich hänge mich in mein 'Hobby' rein, habe mir HTML angeeignet und verbringe einige Stunden meiner sowieso schon vollen Woche mit meinem Blog. Ich mache es, weil es mir Spass macht, und trotzdem habe ich mehr 'Arbeit', seit mein Blog eine gewisse Anzahl an regelmässigen Leser_innen besitzt. Eine Geschäftsfrau bin ich noch lange nicht, wenn ich eine besondere Art an Entgeld für meine Arbeit bekomme, sondern bloss eine erfolgreiche Bloggerin.

Wie seht ihr das - entweder selbst als Blogger_in oder als Leser_in von Jugendbuchblogs? Ich bin gespannt auf eure Meinung!

Alles Liebe,
Mara
5 Kommentare
  1. Ich sehe das ähnlich wie du und habe auch heute einen Post dazu verfasst, den ich aber an alle und nicht nur an ihn geschrieben habe :) Ich habe mich dabei auf Ninni bezogen, auch eine Booktuberin, die mich dazu inspiriert hat und habe mich richtig über die Vorurteile in dem Artikel geärgert.
    Liebe Grüße!
    Nadine♥

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  2. Dein Post gefällt mir wirklich gut und ich sehe das genauso wie du. Ich lese mir jetzt erst einmal den Beitrag durch, den du verlinkt hast, weil ich das gar nicht so mitbekommen habe *ups*.
    Liebst, Lara.

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  3. Hallo Mara, danke, dass du meinen Beitrag so ausführlich und nachdenklich kommentiert hast. Ich antworte Dir lieber gleich hier als bei mir im Blog.

    Anhand Deines und einiger anderer Kommentare (die ich mich auch bemühte ausführlich zu beantworten), muss ich mir eingestehen, dass ich offenbar eines nicht deutlich genug machen konnte: Der Anlass meines Beitrages war die sehr spezielle Form der "Buchempfehlung", wie sie Sara und einige andere Booktuber (die ich mit Co. bezeichnete) betreiben. 10 Bücher vom Stapel nehmen, einzig davon plappern, wie megamegatoll die seien, was für einen tollen Umschlag die doch haben und wie nett die kleinen Bildchen darin seien etc. pp. Dann der Hinweis auf den Affiliate-Link zu amazon. Das, und nur das, ist es, wie ich Literatur - egal welche - nicht behandelt sehen möchte. Das ist Bücher verkaufen wie Schokoriegel und hat keinerlei Anspruch mehr. Es lässt sogar Zweifel zu, ob die Bücher tatsächlich gelesen wurden.

    Bewusst habe ich im Beitrag zudem auf den Hangout hingewiesen, den ich in seiner Form klasse finde, sowie ich grundsätzlich das Booktubing genauso schätze wie textliches Bloggen oder auch Podcasts. Jedes ernsthafte Engagement fürs Lesen gefällt mir.

    Doch selbst dieses Ärgernis in meinen Augen hätte ich auf sich beruhen lassen, wenn nicht in meinem FB-Threat ein Großteil von engagierten Literaturmenschen für mich überraschend reagierten als ich den Artikel der SZ mit dem Kommentar postet: "So macht man heute Buchempfehlungen. Dann klappst auch mit der Kohle."

    Von ca. der Hälfte kam dann lapidar die sinngemäße Aussage: Ist doch ok. Hauptsache sie verkauft Bücher.

    Wenn ich zuvor stetig Diskussionen in den Blogs lesen muss, dass man doch bitte einen Mindestanspruch bei seinen Rezensionen erfüllen solle und dann aber einem plötzlich von den gleichen Leuten - "Welpenschutz" vorschützend - erklärt wird, das sei ok, Hauptsache die Teenies lesen, finde ich das ziemlich arm.

    Denn exakt in diesem Teenie-Alter, wo es meiner Erfahrung nach und auch von in einigen Studien untermauert, entscheidend sein wird, auf welche Literatur man sich sein Leben lang einlässt, wünsche ich mir eine engagierte Behandlung von Literatur. So, wie Du dies hier offensichtlich auch gerne machst. Dass in dieser Lebensphase Fantasy besonders favorisiert ist, ist ein Phänomen der vergangenen 25 Jahre, mit dem ich leben kann. Sofern sie den Anspruch erfüllt, nicht nur eskapistisch , also der Wirklichkeit entfliehend, zu sein. Harry Potter, den ich gerade meinem 8jährigen Sohn begeistert vorlese (wir sind kurz vor dem Ende des vierten Teils) erfüllt das beeindruckend. Ich wünschte, ich hätte diese Romanreihe in meiner Jugend gehabt.

    Ich freue mich, wenn ich diesen Wunsch, diesen Anspruch von Buchbloggern wie bei Dir erkenne. Mich quält die Vorstellung, dass solch ernsthaftes und ungewöhnliches Engagement mit der gleichen Wertschätzung versehen wird wie das banale, vorwiegend Verkauf orientierte von Sara Bow & Co..

    Ich musste bei meinem Beitrag lernen, dass die Lesart vieler Leser wieder mal eine andere ist als meine Intention. Deshalb habe ich auch versucht, jeden Kommentar ausführlich zu beantworten und meinen Ärger zu erläutern. Dass ich zudem einen anderen Anspruch an Literatur habe als den, den die überwiegend eskapistische Fantasy-Literatur erfüllen kann, ist meiner persönlichen Buch-Biografie geschuldet. Auch die habe ich in meinen Kommentaren offenbart ;-).

    Wer sich also gerne weiter ernsthaft mit meinen Ansichten vertraut machen möchte, der lese bitte auch die Kommentare zu meinem Beitrag. Wobei ich zugebe, dass dies allmählich schon Buchformat entwickelt ;-)

    Noch mal Danke für Deine Rückmeldung. Ich werde auch weitere gerne (auch unangenehme) entgegen nehmen.

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  4. Baby, schön! (Kurz und knapp aber ist doch wahr!!!)

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  5. Ich bin absolut deiner Meinung nur habe ich die ganze Diskussion einfach noch nicht verstanden. Ich habe den Beitrag von Sara Bow und auch den anderen Artikel gelesen und mir ist einfach nicht klar was jetzt kritisiert wird und was nicht ?!

    LG Sophie♥

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