drei grossartige kinofilme | dancer / paterson / daniel blake | filmbesprechungen

08 Januar 2017

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Heute möchte ich wieder einmal auf das bewegte Bild zu sprechen kommen. Weihnachtsferien bedeuten für mich immer ein Abschalten und Runterkommen in vielen Bereichen, aber definitiv nicht, wenn es um Kultur geht. So ist es die Zeit, in der ich oft am meisten zum Lesen komme. Kultur schliesst aber eben, wie schon erwähnt, auch das bewegte Bild nicht aus, auf das ich in diesem Beitrag genauer zu sprechen komme. Denn tatsächlich habe ich es geschafft, drei Filme im Kino zu sehen, bevor sie ablaufen - jedenfalls in Zürich. Und, die viel wichtigere Besonderheit - ich kann sie euch allesamt nur zu Herzen legen. Aber fangen wir mal an.

'Dancer' von Steven Cantor
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Am längsten zurück liegt mein Kinobesuch von Dancer, ich habe den Film im Rahmen des Zürcher Filmfestivals sehen dürfen. ER ist das neuste Werk von Steven Cantor, Regisseur sowie Produzent unzähliger anderer Titel, die mir aber alle unbekannt sind. Dennoch ist diese atemberaubende Dokumentation Grund genug, sich mit weiteren seiner Werken zu verfassen. Der schlichte, beinahe einfallslos wirkende Titel verrät schon alles und hat wohl keinen Film und kein 'Tänzer' selbst besser beschrieben als Sergei Polunin und die Dokumentation über sein Leben und seine Tanzkunst.
Dabei ist sie mit einer fast plotartigen Spannung versehen. Denn Polunin begann das Tanzen in jungen Alter, angetrieben von seinem aussergewöhnlichen Talent und dem Wunsch, die Familie zusammenzuhalten. Jedoch basiert solche Entwicklungen nicht auf den Erfolgen des Sohns, wie auch Polunin schmerzhaft feststellen muss - noch dazu passiert die Trennung beinahe doppelt für ihn, denn die Annahme an einer der renommiertesten Tanzschulen bedeutet nicht nur eine harte Zukunft in Betracht von Stunden innerhalb verglaster Tanzsäle, sondern auch ein Wegzug von seiner Familie und seiner Heimat.
Doch wir sehen vor allem sein Talent, seine Faszination für die Bewegung, für die Emotionen auf der Bühne, der totalen Anspannung eines Körpers, dessen Verkrümmungen und all die Möglichkeiten, zu tanzen, in jedem Augenblick. Kein Film zeigt wohl schöner, was Tanz alles kann, als Dancer. Aber er kann nicht alles retten. Und er kann nicht alles abhalten. So waren es die Medien und die Drogen, die einen Fall, Polunins Fall verkündeten. Vielleicht war es aber auch alleine die Gewissheit, dass er der stärkste Tänzer der Welt ist. Dass er ganz oben angekommen ist, und wie die obersten Stockwerke, die obersten Ausichtsplattformen es so an sich haben, geht es nicht höher und es umgibt sie ein Gerüst, wenig anders war es für ihn. Für Polunin gab es nichts anderes mehr als der Tanz, und deswegen - 'he just exploded'. Vielleicht hat er sich da einfach rausgestürzt, war nicht mehr gefangen. Denn zum ersten Mal wechselte er die Seiten, war kreativ und kreierte sein eigenes Stück zu Hoziers Welthit 'Take Me To Church', um Abschied zu nehmen von der Tanzwelt. Und dieses Projekt, dieser Abschied ist gleichzeitig der Beginn. Denn Polunin tanzt noch immer, wie wir erfahren, eine Botschaft, die wohl für alle Zuschauer_innen die frohste Botschaft seit langem ist, so stark fährt einem dieser Film ans Herz.
Kurgesagt, Dancer kombiniert das Beste von Tanz und Film, das Beste beider Welten und ist mit Abstand einer der stärksten Künstlerbiographien die das Kino je zeigen wird, da glaube nicht nur ich fest daran.

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'Paterson' von Jim Jarmusch

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Vor wenigen Wochen habe ich den bis dahin neusten Wurf von Jim Jarmusch gesehen; in Only Lovers Left Alive geht es um Vampire. Erstmal abschreckend, ich weiss. Aber dafür muss man Jim Jarmusch kennen - was ich natürlich noch nicht wirklich tat. Bei ihm stehen Vampire dafür, unglaublich viel Lebenszeit zu haben, um sich zu bilden. Sie sind kultiviert und intellektuell, setzen sich in ihren vielen Jahren mit Musik und Literatur auseinander, kennen die Verfasser von Werken wie Shakespeare und führen Fernbeziehungen - Detroit und Tanger. Tilda Swinton und Tom Hiddleston, wunderschöne Bilder und ein fantastischer Soundtrack faszinierten mich und überzeugten mich von A bis Z.
Und dann erschien Paterson. Paterson scheint ein typischer Jim Jarmusch Film zu sein. Er ist ruhig, widmet sich etwas eigenwilligen Personen und zeichnet sie unglaublich liebevoll mit all ihren Seltsamheiten, welche von der Kamera besondere Augenblicke geschenkt bekommen. Die Ortschaft ist hier keine poetische Metropole, ihr wird aber genauso viel Herzblut gewidmet: die Stadt in New Jersey teilt sich ihren Namen mit dem Protagonisten. Und dieser teilt sein Herzblut wiederum mit seiner Freundin und dem Schreiben. Er ist Busfahrer und beobachtet die alltäglichen Szenen und denkt sich dabei, was er will - genauso wie wir, viel mehr bekommen wir nämlich nicht mit. Der Film zeigt eine ganze Woche von Paterson, ein Busfahrer, der sich 'der Poesie verschrieben hat' (mit viel Hingabe: Adam Driver) und Laura (eine sehr herzensgute und wunderschöne Golshifteh Farahani) und zeigt doch so viel mehr, eigentlich ihr ganzes Leben oder ihr Ideal. Denn sie sind von Grund auf zufriedene Menschen, zufrieden in dem, was sie tun, was sie haben und was sie sich einander geben, auch wenn sie nicht ihre Träume in einer Absolutheit teilen, die sich wohl viele andere Menschen zum Ziel setzen. In ihrer poetischen Ruhe haben beide Filme also viel gemeinsam, auch wenn in seinem Film von 2013 der Fokus auf der Langeweile des Lebens ruht und hier auf den schönen Moment des Alltags - es sind kleine Wunderwerke die man einfach lieben muss, sie sind innig und tragen alle viel Liebe in sich.  
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I, Daniel Blake von Ken Loach

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Auch hier ein Meisterwerk eines Regisseurs, der sein Handwerk mehr als einfach nur beherrscht, wie ich gehört und bei diesem Film gemerkt habe. I, Daniel Blake ist mein erster Film von Ken Loach und doch scheint auch bei ihm ein roter Faden durch. Sight and Sound schreibt zu I, Daniel Blake 'Ken Loach is back with a protest cry for common humanity'. Die Geschichte von Daniel Blake ist wohl irgendwie der gewöhnlichste Film von allen dreien, wenn man nach den üblichen Bewertungsschemen geht: es ist ein Spielfilm und es passiert auch deutlich mehr als in Paterson. Und doch liegt er mir mindestens so sehr wie die anderen beiden am Herzen. Die Aussage ist hier zwar klar, aber unglaublich schwierig in Worte zu fassen, wie der ganze Film. Unser Protagonist und in diesem Fall wirklich überzeugender Held Daniel Blake ist 59, Witwer und war sein ganzes Leben lang Schreiner. Ein Unfall, dann ist nichts mehr wie davor. Der Film steht also in gewissem Masse dafür, wie schnell man in unserer Gesellschaft abrutschen kann und wie die Bürokratie im Wesen der Sozialhilfe da nur beitragen, anstatt wirklich zu helfen. Auf seinem Weg (runter) trifft er Katie, alleinerziehende Mutter zweier bezaubernder Kinder, der es ähnlich geht. Und auch ansonsten trifft er auf ziemlich viele Menschen, die bereitwillig sind zu helfen, die aus der Unterschicht - die einzige Hoffnung und vielleicht auch der einzige überspitzte Punkt in diesem Drama, das das Leben schrieb. Ich möchte gar nicht zu viel vom Film verraten, möchte euch lieber einfach versichern, dass ihr Daniel Blake und Katie nicht so schnell vergessen werdet. Stücke aus dem Film kann man überall finden, womöglich fand so auch Ken Loach Inspiration für sein starkes Werk. Ich erinnere mich beispielsweise an eine Szene, die ich in unserem Zürich miterlebt habe - ein Bettler teilte sein Geld mit einem anderen Clochard, der auf Kleingeld angewiesen war, sichtlich wurde, dass sie sich zumindest zuvor nicht kannten. Oder als ich wenig Tage nach dem Kinobesuch in den Medien (hier) ähnliche Geschichten entdeckte. Dass das Leben viel häufiger eine dramatische Wendung in diese Richtung nimmt (Sozialhilfeempfänger_innen, dieses Schicksal müssten rund 10% der deutschen Bevölkerung kennen...), passt nicht zu den oft verfilmten Schicksalen von Erfolg und Reichtum und nicht nur deswegen ist I, Daniel Blake wichtig - auch sonst ist er von Meister_innen geschaffen und absolut sehenswert, Dave Johns und Hayley Squires in herzbrechenden und doch auch mutmachenden Hauptrollen beispielsweise.

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hectors reise oder die suche nach dem glück | buchbesprechung

04 Januar 2017

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Es war einmal ein junger Psychiater, der Hector hiess. Er trug eine kleine, intellektuelle Brille und verstand es, den Leuten mit nachdenklicher Miene und echtem Interesse zuzuhören. Hector war ein ziemlich guter Psychiater. Und trotzdem war er mit sich nicht zufrieden. Weil er ganz deutlich sah, dass er die Leute nicht glücklich machen konnte. Kurz entschlossen begibt sich Hector auf eine Weltreise, in der Hoffnung, das Geheimnis des Glücks zu entdecken. Und allen, denen er begegnet, stellt er dieselbe Frage, die bei Männern meist Belustigung, bei Frauen eher Tränen hervorruft: Sind Sie glücklich? Warum träumen wir so oft von einem glücklicheren Leben? Liegt das Glück im beruflichen Erfolg oder im privaten? Hängt es von den Umständen ab oder von unserer Sichtweise? Am Ende seiner Abenteuer weiss Hector dreiundzwanzig Antworten - und dass nichts einfacher ist als wahres Glück.




Von diesem kleinen Wunderwerk habe ich zuvor noch nie etwas gehört. Ich habe es von einer guten 
Freundin zu Weihnachten geschenkt bekommen und an einem einzigen Tag durchgelesen. Seit ich es gelesen habe, gehe ich ein wenig anders durch die Welt. Das Buch hat mir in vielerlei Hinsichten die Augen geöffnet und mich inspiriert, belehrt und therapiert. Alles was erzählt wird, ist so simpel und trotzdem sehr  komplex. Der Protagonist, Hector, ist Psychiater und begibt sich auf eine Weltreise auf die Suche nach dem Glück. Er bemerkt, dass er seine Patienten zunehmend nicht glücklich machen kann, da er ihnen kein Antidepressiva oder sonst was verschreiben kann. Sie hatten keine Schicksalsschläge, keine schlechte Kindheit, kein einziges prägendes Unglück, das sie in ein Elend geführt hätte. Sie sind einfach nicht glücklich und gehen deswegen zu Hector in die Psychiatrie. Mit der Zeit merkt Hector, dass er ebenfalls nicht mehr richtig glücklich wird. Deshalb nimmt er sich drei Monate frei und geht zuerst nach China, dann weiter nach Afrika und in die USA. Auf der ganzen Welt befragt er Menschen und notiert seine Erkenntnisse über Gründe ihres Glücks. Er befragt Kollegen und Fremde und erstellt zum Ende des Buches eine Liste mit Faktoren für das Glücklichsein.

Ich habe selten ein solch lehrreiches Buch wie dieses gelesen. Ich habe während des Lesens viel über Psychiater gelernt, ihren Beruf und die verschiedenen psychischen Krankheiten der Patienten. Trotz der vielen Lehren hat es sich beim Lesen nicht als Lern- oder Pflichtlektüre angefühlt. Im Gegenteil, der Schreibstil war nicht besonders anspruchsvoll und sehr angenehm zu lesen. Mich hat das Buch wahnsinnig fasziniert. Das Thema Glück beschäftigt mich sehr oft und ich würde mich auch als einen sehr glücklichen Menschen bezeichnen. Dieses Buch hat mir das alles bestätigt, es war wie ein Selbsttest und eine Therapie zu gleich. Ich habe ebenfalls Erkenntnisse gesammelt und mich und meine Prinzipien auf eine ganz neue Art zu hinterfragen gelernt. Noch jetzt spukt mir das Buch immer wieder im Kopf herum...


Eine Erkenntnis, die Hector gemacht hat, hat mich besonders fasziniert und dabei ist mir irgendwie ein Lichtlein aufgegangen. Ein Professor des Buches sagt einmal, dass die Differenz folgender Faktoren, möglichst klein sein muss um glücklicher zu sein. Die Differenz zwischen dem, was du hast und gerne hättest. Diejenige Differenz zwischen dem, was du jetzt hast und was du in anderen Phasen deines Lebens hattest und zuletzt noch die Differenz zwischen dem, was du hast und dem, was die Anderen haben. Das ergibt irgendwie Sinn und diese Erkenntnis hat mich sehr geprägt. Mit diesem Selbsttest können wir wohl ziemlich genau sagen, ob wir nun glücklich sind, oder nicht.

Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück ist ein ganz spezielles Buch. Ich habe noch nie eine solch ehrliche und psychologische Geschichte gelesen. Es ist nicht nur ein Buch, es ist viel mehr. Dieses Werk von François Lelord ist ein kleiner Guide fürs Glücklichsein und eine kleine  Lebensphilosophie. Ich möchte auf jeden Fall einen Fortsetzungsroman lesen. Es gibt auch einen Film von diesem kleinen Büchlein. Da weiss ich aber noch nicht, ob ich ihn mir anschauen werde. Ich möchte den Zauber, der dieses kleine Meisterwerk mir hinterlassen hat, nicht zerstören. 

10 Bücher für 2017

01 Januar 2017

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Heute hat also das neue Jahr gestartet - wie immer verbunden mit vielen Hoffnungen und auch vielen Vorsätzen. Wir wollen das Ganze ohne Druck starten und haben uns einfach mal gefragt, was wir sehr gerne lesen würden in diesem Jahr und zusammen eine  Liste von 10 Büchern aufgestellt, die sich bereits in unserem Besitz befinden, und die wir gerne lesen würden und euch nun vorstellen. Wir haben versucht, ganz viele verschiedene Bücher reinzupacken, zum einen haben wir Non-Fiction zum Thema Feminismus, zum anderen Kurzgeschichten- und Essaysammlungen, dann natürlich auch noch Romane. Vielleicht interessiert euch ja der ein oder andere Schatz, wir freuen uns sehr, von euch etwas darüber zu hören - habt ihr ein Buch davon zum Beispiel schon gelesen?


Untenrum frei - Margarete Stokowski

Das erste Buch, das wir gerne vorstellen möchten dreht sich um das Thema Feminismus. In diesem Buch geht es um Aufklärungsversuche, Gewalterlebnissen, Haaren und Enthaarung, Sex und Liebe. Margarete Stokowski schreibt hier von persönlichen Erlebnissen provoziert und achtet aufs Detail. Dieses Buch soll wohl humorvoll geschrieben sein und verspricht mir viel. Ich bin gespannt, wie sie es meistert ernste Themen mit philosophischen, politischen und wissenschaftlichen Analysen zu verbinden ohne dass dieses Buch zu einem Sachbuch wird. Ich habe sehr viel gutes darüber gehört und möchte demnächst mit dem Lesen beginnen.

Das antikapitalistische Buch  der Mode - Tansy E. Hopkins



Ich beschäftige mich sehr gerne mit Mode, es ist ein Thema, das mir Spass macht und mich einfach ganz allgemein interessiert, ausserdem finde ich, dass es unglaublich  stark mit dem Leben verbunden ist. Allerdings gibt es immer die Kehrseite, vor allem der heutigen Mode und dem damit verbundenen Konsum. Genau darum geht es in diesem antikapitalistischen  Buch der Mode, allein der Name sagt schon so viel. Die britische Journalistin Tansy E. Hopkins, die selbst Mode übrigens auch  sehr liebt, nimmt diese Industrie unter die Lupe und berichtet von der Produktion und der nicht wirklich existierenden Fairness in diesem Bereich, geht dann aber auch weiter und berichtet von Werbung, dem Körperbild und natürlich auch der Zugang unserer Konsumgesellschaft zu Mode. Ich freue mich wahnsinnig, hierbei viel zu lernen und mich tiefer mit Mode auseinandersetzen zu können.

Ohrfeige - Abbas Khider


Hier haben wir ein weiteres politisches Buch in unserer Liste. Es handelt sich um Auseinandersetzungen mit Asylheimbewohnern und von Problemen mit den Behörden. Es scheint als wäre das Buch sprachlich sehr vielfältig. Es basiert nämlich nicht nur um eine Rahmenerzählung, sondern es sind irgendwie auch Binnenerzählungen eingebaut und durch drei verschiedene Schreibstile, ist eine Abwechslung auf jeden Fall garantiert. Ich bin sehr gespannt auf den Inhalt, der ja sehr aktuell ist, sowie auf die sprachliche Herausforderung. Wir bekamen das Buch an der Frankfurter Buchmesse von dem Lektor empfohlen und sind sehr gespannt darauf. 

Stadt der Lügen - Ramita Navai


Gleich zweimal ist Teheran in diesen Büchern vertreten. In 'Stadt der Lügen' ist die iranische Hauptstadt sicher die Protagonistin. Erzählt wird von dem, was hinter geschlossenen Türen im geheimen vorgeht, was ein Leben in dieser Stadt bedeutet, wo Grenzen gezogen werden und wo die damit verbundenen Regeln wieder gebrochen werden. Ein hoffentlich vielschichtiges Buch, das wir noch nicht ganz einordnen können - Roman? Episodenroman? Kurzgeschichten? Essays? Sachbuch? Nichtsdestotrotz auf jeden Fall sehr vielversprechend.

A typical girl - Viv Albertine


Wir befinden uns in den Mitte Siebzigern als die Punk Szene so richtig in Fahrt kommt. Die entscheidende Frage nun, wie sieht es mit den Frauen in dieser Szene aus? Ein feministisch geprägtes Buch, das die Geschlechterfolge im Musikbusiness behandelt. Der Titel dieses Buches ist wohl ironisch zu verstehen - im Gegenteil, Viv Albertine wehrt sich gegen jegliche Klischees und möchte eben kein typisches Mädchen sein. Sie ist Musikerin war Mitgründern der Band The Flowers of Romance. Ich habe noch nie einen Musikroman gelesen und bin sehr gespannt darauf, vor allem weil er auch feministische Züge hat und Viv Albertine eine sehr inspirierende Persönlichkeit ist. Ihr Buch wurde mehrfach mit dem besten Buch des Jahres betitelt. Dies macht einem auf jeden Fall etwas 'gwundrig', wie man auf Schweizerdeutsch sagen würde.

Nachts ist es leise in Teheran - Shida Bazyar


Hier haben wir gleich nochmals Teheran. Hier ist die Stadt Ausgangspunkt für eine Fluchtgeschichte, die über viele Generationen hinweg geht und auch politische Aspekte beinhaltet. Es ist der erste Roman, der ich jetzt im Rahmen dieser zehn Bücher vorstellen darf und ich weiss ehrlich gesagt nicht wirklich  viel von der Geschichte, aber was ich darüber gelesen habe, interessiert mich sehr. Aber wenn's um Teheran geht, habe ich einen Tipp für euch: Der iranische Filmemacher  Asghar Ferhadi hat mir die Stadt nämlich so ans Herz gelegt, seine poetischen und schmerzhaften Filme scheinen zwar ein fast schon vollständiges Portrait der Stadt zu zeichnen, welches mir die Stadt aber nur noch schmackhafter macht - jedenfalls zum mich mit ihr auseinanderzusetzen.

Vor der Zunahme der Zeichen - Senthuran Varatharaja


Ich habe jenste Emailromane gelesen und mag diese Art sehr sehr gerne zwischendurch. Sie erinnert mich an früher und ist immer leicht zu lesen. Hier soll das allerdings etwas anders sein. Der Roman wird als höchst philosophisch beschrieben und behandelt wohl eher ernstere Themen. Die Sprache soll wohl trotz des Formats recht anspruchsvoll sein und ich bin gespannt auf dieses Werk. Senthuran Varatharja soll sehr sympathisch sein und ist deutscher Flüchtling aus Sri Lanka. Ich habe bereits eine Kurzgeschichte von ihm im Buch 'Wie wir Leben wollen - Texte über Solidarität und Freiheit' gelesen, welche mir sehr gut gefiel. Von der Zunahme der Zeichen wurde mehrfach ausgezeichnet und ist sein Debütroman.


A wie B und C - Alexandra Kleemann


Was wir ganz genau hier haben, weiss ich auch nicht wirklich. Die drei Protagonist_innen heissen jedenfalls A, B und C oder werden zumindest so genannt. Alexandra Kleeman soll hierbei mit ein bisschen schrägen Einfällen und einem genauen Bild unserer Generation überzeugen. Es geht um unsere Körper und unsere (intimen) Wünsche, was einfach unglaublich interessant klingt. Ich freue mich sehr auf diese wohl höchst experimentelle Lektüre.

Das Gegenteil von Einsamkeit - Marina Keegan

Das Gegenteil von Einsamkeit soll wohl eines der besten Bücher überhaupt sein. Zumindest im Programm der Fischer Bücher. Es wurde uns mehrfach empfohlen und wir freuen uns beide extremst endlich mit dem Lesen zu beginnen. Marina Keegan ist ein paar Tage nachdem sie ihren Abschluss an der YALE University gemacht hatte, bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Dieses Buch ist eine Sammlung ihrer Geschichten, die voller Lebensfreude und mit sehr viel Talent geschrieben sein sollen. Das Buch sollte motivieren, seine eigene Bestimmung zu finden, den Sinn des Lebens zu entdecken und auch schlicht und einfach - zu leben. Ein so schönes Thema, wie ich finde, da es einfach immer noch etwas schönes am Leben gibt und ich gerne optimistisch denke. 

Die goldenen Jahre - Ali Eskandarian



Auch das letzte Buch ist natürlich etwas ganz besonderes, und der Titel scheint mir herrlich bedeutungsschwanger, was wir von 2017 erwarten. Dennoch ist die Geschichte um das Buch eher traurig. Der Autor Ali Eskandarian verstarb nämlich einem gewaltsamen Tod und hinterlässt mit 'Die goldenen Jahre' eine Art Autobiographie, die aber aus dem ganz normalen Alltag gegriffen wird - auch wenn der für uns alles andere als normal ist. Er ist kultiviert und intellektuell und verbringt doch ein Vielfaches seiner Abende an ekstatischen Partys, die in Brooklyn oder seiner eigener Fabrikhalle in diesem New Yorker Viertel geschmissen werden. Dennoch hat das Ganze etwas bedrückendes an sich und erzählt nebenbei noch von Emigration in einer pulsierenden Metropole wie New York.

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